Die gute Nachricht vorweg: Sternenkonstellationen, Geburtstage oder andere Himmelsphänomene haben meiner Meinung nach nur wenig mit dem Beziehungsglück oder der Kompatibilität zweier Partner zu tun. Es gibt stattdessen andere Punkte, auf die Sie achten sollten.
Ein weit verbreiteter Irrtum: „Gegensätze ziehen sich an“
So romantisch die Idee von Yin und Yang, Schwarz und Weiß, Feuer und Eis auch klingen mag, Analysen bestätigen, dass Paare in erfolgreichen und gesunden Beziehungen sich sehr viel ähnlicher sind als allgemein angenommen.
Faktoren wie:
- körperliche Attraktivität
- Bildungsniveau
- sozialer Status
- Religion
- Familienverhältnisse
- Wertvorstellungen
sind gerade bei Paaren in langen und glücklichen Beziehungen meist sehr ähnlich. Die Realität zeigt: Je unterschiedlicher zwei Partner sind, desto anstrengender wird es, die Beziehung am Leben zu erhalten. Das kostet Energie, die Ihnen dann für Ihre Arbeit, Freunde und Hobbys fehlt.
Beispiele für „schlechte Gegensätze“ (die Konflikte schaffen):
Völlig unterschiedliche Lebensstile
Stellen Sie sich vor, er ist Extremsportler, ernährt sich sehr bewusst und trinkt keinen Alkohol, während sie lieber gemütlich auf dem Sofa entspannt, einen Film schaut und Rotwein trinkt.
Oder sie ist eine Weltenbummlerin, er hat Flugangst und reist maximal zum Neusiedler See. Wie verbringen Sie da gemeinsam Ihre Freizeit? Es wird viel Energie in Kompromisse und Diskussionen fließen.
Grundlegende Wertesysteme
Wenn Sie Veganerin sind und auf biologische Produkte achten, Ihr Partner sich aber hauptsächlich von Liefer-Schnitzel und Tiefkühlware ernährt, kann selbst das zu Konflikten führen. Passen das grundlegende Wertesystem, die Wünsche, Ziele und Erwartungen an das Leben nicht zusammen, kann die gemeinsame Zukunft beschwerlich werden. Wenn Sie schon am Anfang merken, dass es zu viele Gegensätze gibt, rate ich Ihnen: Lassen Sie lieber die Finger davon.
Unterschiedliche Vorstellung vom Umgang mit Geld
Der Umgang mit Geld ist eines der größten Konfliktfelder in Beziehungen. Schon kleine Unterschiede in der Einstellung können im Alltag zu Spannungen führen, die sich über die Zeit summieren.
Beispiele für typische Konflikte:
- Sparsam vs. großzügig: Einer der Partner legt konsequent jeden Euro auf die hohe Kante, während der andere lieber spontan investiert oder sich kleine Luxusgüter gönnt.
- Verschuldung vs. Schuldenvermeidung: Unterschiede in der Einstellung zu Kreditkarten, Krediten oder Konsum auf Pump können zu Frust führen.
- Unterschiedliche Prioritäten: Während der eine Partner für Urlaub und Freizeit gerne Geld ausgibt, spart der andere lieber für die Altersvorsorge oder ein Haus.
Warum das wichtig ist:
Geld ist nicht nur ein praktisches Mittel zur Lebensführung, sondern spiegelt oft Werte, Sicherheitsempfinden und Lebensplanung wider. Wenn hier keine gemeinsame Basis besteht, entstehen dauerhafte Spannungen – von kleinen Reibereien bis hin zu ernsthaften Konflikten.
Doch es gibt auch „gute Gegensätze“ (die sich ergänzen)!
Manche Unterschiede können für beide Partner von Vorteil sein und die Beziehung bereichern – sie sind eigentlich Ergänzungen.
Introvertiert und Extrovertiert
Eine aufgeschlossene, laute, gesprächige Frau, die der Mittelpunkt jeder Feier ist, kann mit einem ruhigen, weniger outgoing Mann gut harmonieren. Er muss auf Partys nicht seine Komfortzone verlassen, und sie hat einen Ruhepol, der sie auch mal erden kann.
Kreativ und Analytisch
Wie in meiner eigenen Ehe, wo mein Mann extrem kreativ ist und ich eher der analytische Typ bin. So wissen wir genau, wer für Planung oder Finanzen zuständig ist und wer den kreativen Part übernimmt. Solche Ergänzungen funktionieren gut, solange definiert ist, wie sich beide Partner das Leben, die Beziehung und die Zukunft grundsätzlich vorstellen.
Kompromissbereitschaft vs. unveränderliche Charakterzüge
Viele Menschen sind unsicher, wie viel sie akzeptieren und wann es besser ist, allein zu bleiben. Es ist erstaunlich, welche Kleinigkeiten manchmal ausschlaggebend für eine Ablehnung sein können. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass viele Frauen zu wenige Kompromisse bei oberflächlichen Kleinigkeiten eingehen und potenzielle Partner abschreiben, bevor sie sie überhaupt richtig kennengelernt haben.
- Beispiel Größe: Eine Frau wollte einen für sie perfekten Mann ablehnen, weil er ein paar Zentimeter zu klein war. Zum Glück gab sie ihm eine zweite Chance und ist nun wunschlos glücklich.
- Beispiel akademischer Grad: Manche Klientinnen bestehen darauf, dass ihr Partner auch Akademiker sein muss, obwohl viele erfolgreiche Unternehmer keinen akademischen Titel haben.
Überlegen Sie, wo Sie ein Auge zudrücken können. Schon zehn Prozent Abweichung von Ihrer Idealvorstellung können einen massiven Unterschied machen und Ihnen Türen zu Männern öffnen, die Sie sonst nie kennengelernt hätten. Das Leben kann uns oft mehr bieten, als wir uns ausmalen können!
Ein Beispiel dafür ist eine meiner Klientinnen, die überzeugte Großstädterin war und sich ein Leben außerhalb der Stadt nicht vorstellen konnte. Ich stellte ihr dennoch einen Mann vor, der ein wunderschönes Anwesen in Niederösterreich hatte. Trotz ihrer anfänglichen Horrorvorstellung ließ sie sich auf ein Kennenlernen ein, verliebte sich und ist heute glücklich verheiratet und lebt mit ihm auf seinem Anwesen abseits der Stadt. Ihre Kompromissbereitschaft gab ihr die Chance zu erkennen, dass ein Leben jenseits ihrer ursprünglichen Vorstellung noch besser sein kann.
Das Unveränderliche: Der Charakter!
Bei aller Kompromissbereitschaft dürfen Sie natürlich nicht alles akzeptieren. Ein ganz wichtiger Punkt: Wenn Sie glauben, Sie könnten alles, was Sie an einem Mann stört, einfach ändern, täuschen Sie sich gewaltig. Aussagen wie „Ich werde ihn schon ändern, wenn er dann der meine ist“ höre ich leider oft.
Sie können kleine Macken, Marotten oder modische Fehlgriffe ändern oder lernen, sie zu akzeptieren. Ich selbst konnte meinen Mann davon überzeugen, einen schrecklichen Ledermantel abzulegen. Ihr Blick auf kleine „Fehler“ des Partners kann sich mit wachsender Liebe und Zuneigung ohnehin schnell ändern.
Was Sie aber nicht ändern können, ist sein Charakter.
Sie werden Ihren Partner nicht umerziehen können. Wenn Sie in der Kennenlernphase merken, dass sein Verhalten Sie irritiert, seine politischen Überzeugungen Ihnen grauen bereiten oder es Sie stört, wie er den Kellner behandelt, dann suchen Sie das Weite. Glauben Sie nicht, dass sich der grundsätzliche Charakter eines Mannes ändern wird, nur weil er mit Ihnen zusammen ist. Wenn er in Ihren Augen eine „Großbaustelle“ ist, sehen Sie ihn nicht als Ihr nächstes Do-it-yourself-Projekt an. Suchen Sie lieber nach einem Mann, an dem Sie maximal die Krawatte austauschen möchten.
Altersunterschied: Ein Stigma, das oft unberechtigt ist
Auch das Alter spielt eine Rolle bei der Frage, wer zu wem passt. Das Modell des älteren Mannes mit einer deutlich jüngeren Frau wird oft negativ beurteilt – zu Unrecht, finde ich. Ich selbst bin mit einem über zwanzig Jahre älteren Mann verheiratet und kann keinen Nachteil feststellen.
Meine Beziehung mit einem älteren Mann ist wunderbar. Obwohl ich als junge Frau manchmal Bedenken hatte, ob ich meinen Mann früher verlieren würde, erlebte eine meiner Freundinnen den Verlust ihres gleichaltrigen Mannes schon nach zehn Ehejahren. Natürlich ist die Wahrscheinlichkeit geringer, in jüngeren Jahren zu sterben, aber Probleme können immer auftreten, unabhängig vom Altersunterschied.
Ich hatte keine Anforderungsliste, auf der ein zwanzig Jahre älterer Mann stand, es ist einfach passiert. Und ich habe es nie bereut. Wir zählen jetzt 26 glückliche Ehejahre. Das Stigma, das Beziehungen mit großem Altersunterschied anhaftet, ist oft ungerechtfertigt, besonders der Vorwurf, es ginge den jungen Frauen nur ums Geld, den ich ärgerlich finde. Ältere Männer strahlen eine gewisse Reife aus. Ein erfolgreicher und charismatischer Mann, der weiß, wie das Leben läuft, kann sehr attraktiv sein, besonders für jüngere Frauen. Scheuen Sie sich also nicht vor einem älteren Partner. Wenn die Liebe groß genug ist, dann sind auch fünf, zehn oder zwanzig Jahre nur eine Kleinigkeit.
Fazit
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das Sprichwort „Gegensätze ziehen sich an“ oft ein Irrtum ist. Für eine glückliche und dauerhafte Partnerschaft sind vielmehr grundlegende Ähnlichkeiten bei wichtigen Faktoren wie Wertvorstellungen, Bildungsniveau und Lebenszielen entscheidend.
Während völlig unterschiedliche Lebensstile oder finanzielle Vorstellungen zu „schlechten Gegensätzen“ gehören und unnötig viel Energie kosten, können „gute Gegensätze“ als Ergänzungen eine Beziehung bereichern und von Vorteil sein.
Was Sie nicht ändern können und auch nicht versuchen sollten, ist der grundlegende Charakter Ihres Partners. Es ist jedoch wichtig, bei oberflächlichen Kleinigkeiten Kompromissbereitschaft zu zeigen und sich für neue Möglichkeiten außerhalb der eigenen Vorstellungen zu öffnen.


