„Sie wollen etwas für ihr Glück tun“

Es war ein relativ lapidarer Satz, der doch große Konsequenzen nach sich zog: „Sie suchen mir eine Frau.“ Die Aufforderung kam von einem österreichischen Topmanager, der einige Zeit im Ausland gearbeitet hatte und in eine CEO-Postion nach Österreich zurückgekommen war. Die Aufforderung erging an Eva Kinauer-Bechter, die den Manager als Consultant und Management-Coach begleitet hatte. Und sie nahm die Aufforderung, oder eher Herausforderung, an.

Kinauer-Bechter begann zu suchen. In Agenturen in Österreich, Deutschland, Frankreich, den USA. Und fand nichts passend, jedenfalls nichts, was sie selbst angesprochen hätte. Sie habe sich gefragt: „Wie hätte ich es gern?“ So legte sie es dann, unter anderem motiviert von ihrem Mann, auch an. Vor gut 20 Jahren war das. Und es bedeutete den Beginn ihrer Agentur Eva Kinauer-Bechter – Die exklusive Partnervermittlung. Mit dem neuen Geschäftsmodell erfüllte sie sich auch ihren eigenen Wunsch, mit der ihr vertrauten Zielgruppe weiter zu arbeiten. Nicht, ohne zuerst schief angesehen zu werden, sagt die 60jährige rückblickend.

Tiefe Einblicke

Mit neuen Klienten führt sie zunächst ein Kennenlerngespräch. Einen Stunde reicht meist, um die Person samt ihren Wünschen kennenzulernen. „Ich möchte dahinter sehen.“ Offenbar eine strenge Selektion. „Mit 70 Prozent der Personen arbeite ich nicht zusammen“, sagt sie. Danach bittet sie ihre Klienten zu einem drei-bis vierstündigen Interview über Wünsche, Werte, Visionen, private wie berufliche Hintergründe – und natürlich auch über die Finanzen. Die finanzielle Unabhängigkeit ihrer Kunden ist ihr, so wie gute Erziehung und Ausbildung, ein Anliegen. „Alle können sich selbst ein gutes Leben leisten, wollen es aber nicht allein führen.“

Derart tiefe Einblicke zu geben und zu bekommen, „erfordert großes Vertrauen. Aber Ehrlichkeit erhöht die Treffsicherheit von Persönlichkeitsprofil und Anforderungsprofil“, sagt sie. Das Matching der potenziellen Partnerinnen und Partner erfolgt danach aus ihrem Pool. Oder Kinauer-Bechter sucht in ihren Netzwerken konkret nach dem passenden Gegenüber. Alles anonym. bis zum großen Tag. Sie koordiniert das Treffen, sucht das Lokal aus und erwartet die beiden. Und, das ist ihr sehr wichtig, sie stellt die beiden einander vor. „Das ist etwas, was die Kunden sehr schätzen“, sagt sie. „Dabei zu sein ist einzigartig“. Dann gehen die zwei essen, „das nimmt den Stress“. In den wenigsten Fällen brauche es mehrere Anläufe und Matchings, bis sich die Partner finden.

Auch hier hinterließ Covid-19 Spuren. Bevor die Lokale nun wieder vorsichtig aufsperren durften, lud sie ihre Kunden, selbstverständlich Corona-getestet, zum Spaziergang, stellte sie einander vor und sorgte dafür, dass es auf dem Weg die Möglichkeit gab, irgendwo ein Essen abzuholen. Apropos Covid-19. Die Pandemie, sagt sie, habe einiges verändert. So habe etwa das Privatleben einen höheren Stellenwert bekommen. Und damit der Wunsch, nicht allein zu sein. Leute, die vor Corona wochentags im Flugzeug und am Wochenende mit Freunden unterwegs waren und ständig einen vollen Terminkalender hatten, hatten gar keine Zeit, die Lücke zu spüren. Das hat sich mit der Pandemie geändert.

Was sich nicht verändert hat, ist, dass sich ihre Kunden eine stabile Lebenspartnerschaft wünschen. Viele ihrer Kunden haben schon länger in Partnerschaften gelebt und wissen um den Kraftquell Familie. „Mit einem stabilen Familienleben kannst du dich anders auf den Job konzentrieren“, sagt Kinauer-Bechter.

Nichts dem Zufall überlassen

Das ist eines der Motive ihrer Kunden. Ein anderes: Sie wollen bei der Lebenspartnerschaft nichts dem Zufall überlassen und sind es gewohnt, Profis zu beauftragen. Schließlich „wollen sie etwas für ihr Glück tun“. So wie sie mit Headhuntern den nächsten Karriereschritt planen, wollen sie auch hier zielorientiert vorgehen, vor allem, wenn sie in einer Position sind, in der sie mehr Menschen kennenlernen dürfen, können oder müssen, als ihnen vielleicht lieb ist.

Übrigens: Sie fand, alles andere wäre wohl eine Überraschung gewesen, eine Frau für ihren ersten Manager. Das Paar ist noch immer zusammen.