Liebe in Zeiten von Corona

Nie waren funktionierende private Beziehungen und Partnerschaften wichtiger als in der Corona-Krise. Für alle, die den Shutdowns alleine in einer Wohnung verbringen mussten wurde die Zeit zur Qual. Partnervermittlerin Eva Kinauer-Bechter über die komplizierte Suche nach Partnern in der Corona-Krise.

Sechs Wochen alleine. Von morgens bis abends, unterbrochen nur von sporadischen Einkäufen und gelegentlichen Spaziergängen. Das Smartphone als wichtigster Draht in die Außenwelt. Das Home-Office zur Beschäftigung und die tägliche Einheit am Home-Trainer als Ausgleich. In einer kleinen Single-Wohnung in einer Stadt zu leben war in der Zeit des Corona-Shutdowns wahrlich kein Vergnügen.

„Die Corona-Krise hat den Menschen wieder vor Augen geführt, wie wichtig funktionierende private Beziehungen sind und wie wichtig es ist, einen guten, zuverlässigen und liebevollen Partner an der Seite zu haben“, sagt die Profi- und Promi-Partnervermittlerin Eva Kinauer-Bechter.

Seit fast 30 Jahren arbeitet die Unternehmerin als Partnervermittlerin und hat sich dabei einem besonders diskreten und seriösen Weg verschrieben, der beruflich erfolgreiche, wohlsituierte Frauen und Männer zusammenführt. Zu ihren selbstredend streng geheim gehaltenen Kundinnen und Kunden zählen Rechtsanwälte, Ärzte, Unternehmer und Singles, die in ihrer Karriere zumindest bis ins mittlere oder ins Top-Management aufgestiegen sind.

Mit Anstand und Abstand

Doch wie kann eine Partnervermittlung funktionieren, wenn die Devise heißt: „Abstand halten!“? Wenn zwischen zwei Personen, die nicht ohnehin schon zusammenleben ein Babyelefant passen soll und sogar das Händeschütteln tabu ist? Wenn an öffentlichen Orten ein Mund- Nasen-Schutz getragen werden muss und sämtliche Lokale – klassische Treffpunkte für ein erstes Date – geschlossen sind und es obendrein auch keine Veranstaltungen gibt, bei denen sich Menschen treffen und kennenlernen können? Von Reisen oder Wochenend-Ausflügen ganz zu schweigen.

„Gar nicht“, gibt Kinauer-Bechter auch unumwunden zu. Von Mitte März an musste sie alle Termine aus ihrem sonst übervollen Kalender streichen und von der Rolle der Partnervermittlerin rutschte sie schnurstracks in die einer Telefonseelsorgerin, die mit ihren Klienten oft stundenlang telefonierte.

Eine neue Herausforderung für die oft als „Partner-Vermittlerin für Österreichs Reiche und Schöne“, bezeichnete Frau, die sich schon vor Corona ihre Arbeit nicht leicht gemacht hatte. Von Websites mit Online-Profilen oder Apps zur Partnersuche hatte sie nie etwas gehalten. Das dort übliche „Catfishing“, bei dem Dates mit falschen Angaben und massiv retuschierten oder alten Profilfotos geködert werden oder das „Ghosting“, bei dem Personen nach dem ersten Date einfach wieder abtauchen und nie wieder zu finden sind, war ihr schon jeher zuwider. „Vor allem junge Frauen haben damit immer wieder ganz schlechte Erfahrungen gemacht. Das belastet sie massiv, beeinträchtigt ihr Selbstwertgefühl erheblich.“

Kinauer-Bechter setzt daher darauf, ihre Klienten selbst zu treffen, sie kennenzulernen und auch selbst die Personen auszuwählen, die sie für ein Date geeignet hält. „Der erste Schritt ist dabei, ein Selbstbild und ein Fremdbild zu erstellen: Wie sieht sich ein Mensch selbst und wie wird er von anderen wahrgenommen“, erklärt sie. Bei rund 70 Prozent ihrer Klienten zeigen sich dabei so große Diskrepanzen, dass sie den Auftrag, eine Partnerin oder einen Partner zu finden gar nicht erst annimmt. „Zum Beispiel Männer, die sich als tolle Hechte sehen, aber immer noch bei ihrer Mutter leben und es nie geschafft haben, eine eigene Persönlichkeit zu entwickeln“, sagt sie.

Geschlossene Dating Zonen

Einem Erstgespräch folgt dabei ein drei bis vier Stunden langes Interview, bei dem die Klienten über ihr Leben erzählen, über ihre Visionen, Hoffnungen, Träume, Wünsche und Eigenheiten. Daraus erstellt die Partnervermittlerin dann ein mehrere Seiten umfassendes Dossier, das die weitere Basis für die Partnersuche bildet. „Meine Erfolgsquote ist damit extrem hoch. Wenn ich finde, dass zwei Personen zueinander passen, dann arrangiere ich ein Treffen, es wird ein Tisch in einer Location reserviert und ich bleibe bei dem Date auch die erste halbe Stunde dabei“, sagt Kinauer-Bechter. Als erfolgreich vermittelt gelten Partner bei ihr allerdings erst dann, wenn die Rückmeldung kommt, dass die beiden auch tatsächlich zueinander gefunden haben.

Kinauer-Bechter ist sich sicher, damit auch für die Zeit nach dem Corona-Shutdown das richtige Rezept für die Vermittlung von Partnern zu haben. Wenn Mitte Mai Österreichs Gastronomie wieder öffnet, dann beginnt für sie wieder die Zeit der täglich oft mehrmaligen Restaurant-Besuche. „Corona und das Social Distancing haben auch bei der Partnersuche zu einer neuen Einstellung geführt. Es will sich doch niemand mehr mit zahllosen X-beliebigen Menschen treffen, ein Date nach dem anderen haben“, sagt sie.

Partner für Leben und Beruf

Corona werde die Partnersuche wieder viel selektiver machen. Das treffe, so die Vermittlerin, besonders auch auf die Jüngeren zu. Die Zeit der lockeren Beziehungen und ständig wechselnder Partnerschaften sieht sie fürs Erste einmal vorüber. „Und es wird nach Corona auch zu etlichen Scheidungen kommen“, ist sie sich sicher. Während in Normalzeiten über viele Fehler des Partners hinweggesehen und Ablenkung bei Ladies-Lunches, Herrenabenden, beim Shopping oder Sportrunden gefunden wurde, sind diese Aktivitäten in den vergangenen Wochen oft weggefallen und Beziehungen wurden so auf eine schwere Probe gestellt.

Besonders für beruflich erfolgreiche Menschen sieht Kinauer-Bechter daher als Folge der Corona-Krise auch Trennungen und die Suche nach neuen Partnern zukommen. „Eine noch vor der Krise von Marketagent durchgeführte Studie hat auch gezeigt, dass 91,2 Prozent der Menschen der Meinung sind, dass sich eine dauerhafte, glückliche Beziehung positiv auf das Berufsleben auswirkt. Und 88,6 Prozent glauben, dass man den richtigen Partner fürs Leben in der echten Welt und nicht in der Online-Welt findet“, sagt sie. Ihr Terminkalender ist bereit.

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