Hab mich doch gern! Famous last words einer Beziehung? Oder doch „nur“ ein Streit? Kolumne von Eva Kinauer-Bechter

Streiten in einer Beziehung: ein Schauspiel in mehreren Akten

Das Vorspiel. Auslöser – also der wahre Hintergrund von Konflikten ist oft die – nicht ausreichend kommunizierte – Erwartungshaltung an die Partnerschaft und an den Partner oder die Partnerin: Anerkennung, Respekt und Feingefühl werden vermisst, die Enttäuschung darüber ist groß. Der Frust über die mangelnde Würdigung staut sich auf, und dann reicht eine winzige Kleinigkeit – wie die berühmte, schlecht ausgedrückte Zahnpastatube – als Auslöser für einen Streit.

Übrigens, laut Statista-Umfrage sind Streitauslöser in den meisten Fällen schlechte Angewohnheiten (38 Prozent) gefolgt von Unordnung (34 Prozent), Geldausgaben des oder der Anderen (26 Prozent) und Aufgabenverteilung im Haushalt (24 Prozent).

Der Akt. Und schon geht’s los, oft ohne dass der Partner oder die Partnerin noch weiß, warum eigentlich genau. Die Stresshormone schießen ein, das Herz rast und in der Wut werden Vorwürfe ausgespuckt, die auch das ruhigste Gegenüber schnell auf Streitniveau bringen. Worte wie IMMER und NIE heizen die Situation auf. Man fällt sich ins Wort, im Affekt fallen untergriffige Bemerkungen. Nichtige Anlässe werden gewichtig – weil es ja eigentlich um etwas ganz anderes geht. Und schon streitet man nicht miteinander – sondern gegeneinander. Wut, Tränen und ausufernde Lautstärke sind Begleiterscheinungen.

Der Höhepunkt. Und genau an diesem Punkt teilt sich der Weg in drei Gabelungen: Die Art, wie man aus einem Streit herausgeht, wird von unserem Charakter bestimmt:

Und wie enden Streite in deiner Beziehung?

A. Die Sackgasse:
Der Streit endet abrupt. Einer verlässt die Szene. Man sucht eine Zeitlang Abstand. Und man ändert nichts. Kann ein paarmal funktionieren. Aber ist nicht die Basis für eine stabile Beziehung. Einer siegt – einer verliert. Man entzieht sich dem oder der Anderen, trifft sich nicht auf Augenhöhe. Das passiert oft, wenn „Harmoniesüchtige“ auf „Rechthabende“ treffen oder der einer dem anderen in Sachen Rhetorik und Bildung überlegen ist.

B. Der Kreisverkehr
Der Streit endet aus Erschöpfung. Niemand gibt nach, die Verletzungen auf beiden Seiten sind tief. Alle Versuche einer neuen Aufarbeitung enden wieder im Streit; beide glauben, im Recht zu sein. Oft zu beobachten ist dieses Phänomen bei Paaren, die frisch liiert sind und noch nicht wissen, wie das Streitmuster des oder der Anderen abläuft – wie der geliebte Mensch „funktioniert“ und wie die „chemische Reaktion“ im Streitfall abläuft. Beide müssen erst einen gemeinsamen Weg durch den Konfliktdschungel finden, müssen feststellen, wie sich ihre Streitkultur auf Augenhöhe bringen lässt. Wer hier den Weg nicht findet, ist gut beraten, einen Beziehungscoach aufzusuchen, bevor zu viele Narben bleiben.

C. Die richtige Ausfahrt
Einer kann oder will nicht mehr, der andere fängt ihn auf. Man beruhigt sich gemeinsam. Sobald sich der zerstörerische Emotionssturm entladen hat, wird man konstruktiv. Die Aufarbeitung und die Analysen können beginnen. Das gemeinsame Nachvollziehen der Ursachen (und nicht nur des Auslösers) beginnt. Die Aufräumungsarbeiten sind Teamwork, das Paar lernt aus dem Streit. Es gibt keine Verlierenden. Die Beziehung ist die Siegerin.

Das Nachspiel. Keine Angst! Streit kommt in den besten Beziehungen vor. Wichtig ist allerdings zu lernen, wie man damit umgeht, ohne Scherben zu hinterlassen.

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