Coverstory Krone bunt: Die Zukunft der Partnerwahl

Es war Mitte März, als der Shutdown nicht nur die Wirtschaft, sondern auch das komplette Weltbild vieler Menschen aus den Angeln heben sollte. Ein kleines Virus namens Corona und die damit verbundene Befürchtung, daran zu erkranken, warfen plötzlich viele Fragen auf – und tun es immer noch: Was ist wirklich wichtig im Leben? Was war vorher vermeintlich gut und ist es jetzt nicht mehr? Vor allem für Familien waren die wochenlangen Ausgangsbeschränkungen die reinste Härteprobe: Dicht an dicht, kristallisiert sich schnell heraus, ob das Gefüge tatsächlich so gut funktioniert, wie man immer geglaubt oder vorgegeben hat. Aber auch Pärchen ohne Kinder waren plötzlich ganz allein aufeinander zurückgeworfen. Singles wiederum weilten komplett in der Isolation.

All das betrifft sämlichte soziale Schichten, wie Eva Kinauer-Bechter, Inhaberin der exklusivsten Partnervermittlung hierzulande, aus ihrer Erfahrung der vergangenen Wochen zu erzählen weiß: „Spätestens jetzt ist auch dem alleinstehenden internationalen Top-Manager, der normalerweise wöchentlich zwischen den Kontinenten pendelt, bewusst geworden, dass das neue Leben in seinem schicken Penthouse ziemlich einsam ist.“ Und: „Er spürt nun, dass man Glück und Zufriedenheit nicht nur im Beruf findet. Die richtige Partnerin ist für ein stabiles und zufriedenes Leben jetzt wichtiger als ein gut bezahlter Job.“

Überhaupt hat die Corona-Krise die Partnersuche völlig verändert, wie sie sagt: „Singles sind selektiver geworden, haben weder Zeit noch Lust auf ständig wechselnde Beziehungen und den Wert einer guten, stabilen Partnerschaft erkannt. Die Lust auf Online-Dating und unzählige Dates mit fremden Menschen, die als ernsthafter Partner in den seltensten Fällen in Frage kommen, ist massiv gesunken.“

Ihre im März in Auftrag gegebene Studie hat gezeigt, dass „fast 90 Prozent der Singles glauben, ihren Partner eher in der echten Welt und nicht online zu finden.“ Damit sind Dating-Plattformen künftig für die Mehrheit offenbar mit einem Wisch vom Tisch. Denn hier rechnet bloß ein Computer-Programm das „perfekte Match“ aus. Ob die privaten Angaben der Kandidaten tatsächlich stimmen, kontrolliert niemand. Nicht selten wird in der Folge ein Date zum Desaster und das vermeintliche Match zur Mogelpackung. Persönliche Partnervermittlung und damit schon im Vorfeld intensive Gespräche zwischen der Vermittlerin und den Kandidaten stehen hingegen hoch im Kurs, wie Eva Kinauer-Bechter meint und augenzwinkernd hinzufügt: „Glauben Sie mir, nach den bis zu vierstündigen Interviews mit meinen Klienten ist Schummeln so gut wie ausgeschlossen.“ Und: „Der perfekte Partner wird immer mehr auf Augenhöhe gesucht. Das vormals viel zitierte Klischee „Arzt und Krankenschwester“ hat weitgehend ausgedient.“

Die Corona-Krise brachte der „Headhunterin der Herzen“ aber auch zahlreiche Neukunden, die bis vor dem Lockdown noch in einer festen Beziehung weilten. „Nicht nur für sozial Schwächere, die auf kleinem Raum leben, sondern auch für die Superreichen hat sich in der Quarantäne das Leben total verändert und auf sie selbst verdichtet. Für viele Paare fielen überdies ihr Abendprogramm mit Partys und Einladungen, aber auch die Wochenendtrips, die eine gute Abwechslung geboten haben, weg.“ So ganz ohne Ablenkungen und komplett auf einander reduziert, stellten viele Paare fest, dass sie den Rest ihres Lebens doch nicht mehr gemeinsam verbringen möchten. Viele haben einander erst in dieser Zeit ohne anderweitige Ablenkungen richtig kennengelernt oder eine längst eingetretene Entfremdung festgestellt.

Anstatt sich aber von einem Abenteuer ins nächste zu stürzen, zeigt die Corona-Zeit auch bei den frischgebackenen Singles ganz klar eines auf: 80 Prozent von ihnen wollen so rasch wie möglich eine neue Beziehung eingehen. Und: Auf gemeinsame Werte, Ziele und ähnlichen Bildungsstand wird mehr denn je Wert gelegt.

Der Lockdown und die sozialen Einschränkungen haben zu einem neuen Kuschelkurs in Sachen Liebe geführt. Die Menschen erkennen, wie wichtig es ist, sich auf den Partner vor allem in Krisenzeiten felsenfest verlassen zu können. Für viele mit ein Grund, die Partnersuche tendenziell künftig lieber einem Profi zu überlassen: „Ich vergleiche das gern mit dem Hausbau“, sagt Kinauer-Bechter. „Das überlässt man auch den Profis.“ So soll statt vieler leerer Kilometer aufgrund unzähliger Dates zeitnah ein gesmeinsames stabiles Fundament geschaffen werden können, das auch in schlechten Zeiten den Widrigkeiten des Lebens weitgehend standhalten kann.