Der Babyelefant als Liebeskiller – Kolumne von Eva Kinauer-Bechter

Ja, eh okay. Die Geschäfte öffnen wieder, die Gastronomie feiert endlich ihr Comeback, und auch ein Urlaub scheint irgendwann im Sommer wieder möglich zu sein. Aber immer nur MIT MASKE. Und genau an diesem Punkt fragt sich wohl jeder Single zu Recht: Wie soll ich bitte mit einem Babyelefanten als neu definierten Anstandswauwau und mit einer das Gesicht zu zwei Dritteln bedeckenden Maske als Flirtbarriere meinen Traummann (oder meine Traumfrau) kennenlernen und in seiner Mimik lesen können, ob er oder sie mich interessant findet?

Tatsache ist nun einmal, dass nur zehn Prozent der Singles überzeugte EinzelgängerInnen sind. Die restlichen 90 Prozent sind auf der ständigen Suche nach der großen Liebe, nach Glück und Geborgenheit. Und genau für das Leben eines Shutdown-Singles eine echte Herausforderung.

Zuerst Hausarrest in der Einzelzelle. Und jetzt im wiedererlangten Freigang darf man seine engsten Freunde und Freundinnen nicht mehr umarmen und muss mit Abstand und Maske leben – allein. Die Chance, jemanden unterwegs und einfach so kennenzulernen, ist dank Corona-Verordnungen quasi auf Null gesunken. Die Unzufriedenheit und der Wunsch den EINEN oder die EINE zu finden, um den Rest des Lebens gemeinsam zu verbringen (oder zumindest den nächsten Shutdown gemeinsam zu überstehen) kann, wächst trotzdem.

Und genau in dem Moment, in dem die Sehnsucht stärker wird als die Vernunft – lockt die Onlinewelt (meist an einsamen Abenden). Nur mal schauen, ob sich wer Passendes hier versteckt. Das kann daneben gehen! Die Online-Dating-Welt hat es in sich, und irgendwie ist sie auch vermummt. Wie soll ich die große Liebe, von der ich oft nur ein Foto kenne, als wahr werdenden Traum meiner einsamen Nächte identifizieren? Und kann ich sicher sein, dass es überhaupt der Mensch auf dem Foto ist, mit dem ich in Kontakt trete?

Nein, all das kann ich nicht wissen und leider bestätigen die offiziellen Zahlen, dass Romantikbetrug derzeit so erfolgreich ist wie noch nie. Schwindler spielen rücksichtslos mit den Herzen der Singles und versuchen, ihr Vertrauen zu erschleichen. Im besten Fall, um mit einer weiteren Affäre prahlen zu können – im schlechtesten, um nach dem Aufbau eines potemkinschen Vertrauenspalastes, selbigen brutal niederzureißen: mit niederträchtigen Erpressungen, damit intime Details nicht enthüllt werden. Was übrig bleibt, sind im schlimmsten Fall neben einem leergeräumten Konto Enttäuschung und emotionale Verletzung. Und wenn das Vertrauen einmal gebrochen ist, ist eine Heilung langwierig und problematisch.

Da Liebe aber grundsätzlich auf Vertrauen und Diskretion basiert, müssen diese Online-Betrügenden enttarnt und demaskiert werden – noch bevor sie Schaden anrichten können. Darum rate ich Menschen, die eine diskrete Partnersuche bevorzugen, zu einer seriösen Vermittlung. Profis gehen beispielsweise auch verlässlich mit den Daten der Suchenden um, Namen und Fotos werden vor dem Kennenlernen nicht ausgetauscht und auf die Vermittlung von Partnern und Partnerinnen auf Augenhöhe wird geachtet. Einfach frei nach dem Zitat von Friedrich von Schiller: Drum prüfe, was sich ewig bindet, ob sich das Herz zum Herzen findet …

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